Gemeinsam mit der Musiktherapie weist die Harmonik die ältesten Wurzeln der an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst tradierten Fächer auf. Harmonikales Denken setzt in Griechenland um 500 v. Chr. bei den Vorsokratikern ein, doch lässt sich die Wurzel hárma (mit Suffix mon -> harmonía) oder harmód ( -> harmózo) bereits bei Homer nachweisen, wo es die Fügung von einzelnen Brettern zum sinnvollen Ganzen eines Schiffes bedeutet. Dieser Wortstamm lässt sich bis in mykenische Zeit zurück verfolgen.
Ist im Deutschen (Harmonik), Englischen (Harmonics) und Italienischen (Armonica) der Harmonik-Begriff in seiner ursprünglichen Bedeutung geläufig, muss das Spanische (Investigación Armónica) umschreiben. Dazu sind die italienischen und deutschen Begriffe Ricerca Armonicale und Harmonikale Forschung Äquivalente, die sich von der von Rudolf Haase begründeten Harmonikalen Grundlagenforschung herleiten.
Moderne Umdeutungen oder Verengungen von Begriffen verschleiern häufig ihre ursprüngliche Sinngebung. Zwei Beispiele:
* Die Akusmatiker waren ehemals jene Gruppe von Pythagoreern, welche die mündliche Tradition der auf Pythagoras zurückgeführten Lebensregeln (akúsmata) vor jedes
Gelehrtenwissen stellten. In der elektronischen Musik der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts benennt Akusmatik hingegen jene von Pierre Schaeffer geprägte und auch
‚musique concrète’ genannte Schule, in der es darum geht, jene Klangkomplexe, die als außerhalb der Musik liegend angesehen werden (zum Beispiel Alltagsgeräusche), sich durch
die moderne Technik aber aufzeichnen und bearbeiten lassen, als projizierten Raumklang in die Musik zu integrieren.
* Harmonik stellte bei Ptolemaios das Übergreifende von kosmischer Ordnung, Mathematik, Musik, Seelenlehre, Erkenntnislehre, Ethik und Staatstheorie dar. Die Musiklehre
neuzeitlicher Prägung hat demgegenüber eine Reduktion dieses Begriffs auf eine Akkordverbundene Satz-Lehre vorgenommen.
Im platonisch-ptolemäischen Sinn ist für die Harmonik auch heute noch kennzeichnend, theoretisches & künstlerisches & heilendes Wissen – mithin jene drei Säulen, welche die Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst bestimmen - als Einheit zu leben und zu lehren. Dabei kommt dem Beitrag der Harmonik zu einem integralen Weltverständnis von Jahr zu Jahr größere Bedeutung zu. Harmonik zeigt sich als ein großes, kaum einzugrenzendes Gebiet, das an jener Schnittstelle liegt, an der sich sowohl die Künste und ihr theoretisches Durchdringen wie auch die Geistes- und Naturwissenschaften berühren.
Die Pflege eines vernetzten Denkens durch Verknüpfen von Teilaspekten der Einzeldisziplinen zu ganzheitlicher Perspektive ist wesenhaftes Kennzeichen harmonikalen Denkens. Das Internationale Harmonik Zentrum übernimmt dabei die Funktion eines Informations-, Verknüpfungs- und Kompetenz-Zentrums, das seine Rolle, knapp formuliert, vor allem in einem Zweifachen sieht: 1. jene Personen und jene Wissensgebiete verknüpfen, die offensichtlich zusammengehören, 2. jene Personen und jene Gegebenheiten unseres Lebens bewegen, die einer Bewegung (Veränderung) bedürfen.